Letzte Aktualisierung: 09 Sep 2017

Verrechnet!

Wir haben uns ein besonderes Ziel ausgesucht, einen Canyon mit jeder Menge Arches und Bridges. Daran vorbeigekommen sind wir schon zweimal, waren aber nie im Canyon selbst. Man muss die Gegend erwandern, kann auf ca. 12 km Wegstrecke aber auch gleich 2 Canyons mit Arches besuchen, wenn man eine Schleife geht.

Die Schwierigkeit liegt eigentlich vor allem in der Anfahrt. Die Canyons befinden sich draussen im Canyonland Maze District am Trail zum Doll House. Die Strecke ab dem Waterhole Flat ist nicht ohne und bis zum Flat ist es von Moab weit. Es macht zeitlich wenig Unterschied, ob man dabei "unten rum" über Blanding und die Hite Road fährt oder über Green River und Hans Flat. Wir entscheiden uns für die südliche Route, kommen für unsere Verhältnisse früh aus Moab weg.

Grössere Photos 1200 Px
White Canyon
UT 95 im White Canyon mit der Landmark The Cheesebox

Bis hierher haben wir ca. 120 Meilen bzw mehr als 2 Std. Fahrtzeit hinter uns - es ca. 10:50 a.m. Mal sehen, ob wir es schaffen?

Ut 95
Browns Rim südlich von Hite
Hite
Der typische Höcker von Hite

Rund 1 Meile, nachdem die UT 95 den Colorado River überquert hat, zweigt bei 12S 0554660 4194830 die Hite Road ab, die uns in den Maze District des Canyonland N.P. bringt. Sie ist wie so oft in gutem Zustand. Trotzdem braucht man mehr Zeit als erwartet, denn aufgrund vieler Schlenker und Bögen zieht sich der erste Teil der Strecke bis zum Cove Canyon - Luftlinie von der UT 95 ca. 8,5 Meilen entfernt - über 20 Meilen. Am extremsten ist es im Bereich des Rock Canyons. Für 1,2 Meilen as the crow flies - zieht sich die Road um die 9 Meilen auf beiden Seiten des Canyons hin.

Hite Road
Am Beginn der Hite Road
Hite
Telesicht von Hite. Der Cataract Canyon im Vordergrund ist kaum wahrnehmbar.
Rock Canyon
Hinter dem Pfeiler beginnt Rock Canyon
Rock Canyon
Rock Canyon

Die Cliffs auf der rechten Bildseite sind zum Greifen nahe, aber es dauert fast eine halbe Stunde, bis man dort drüben ankommt.

Ein Stück in den Canyon hinein zweigt ein Seitenarm ab, der vom Hauptcanyon durch eine art Mauer getrennt ist.

Rock Canyon
Mauerartig steht die Trennung zwischen beiden Canyonarmen

Diese Mauern dürften kaum mehr als 3 Meter dick sein, dafür aber ca. 50 Meter hoch. Vor uns kommt eine bekannte Landmark ins Blickfeld:

The Sewing Machine
The Sewing Machine

An der markanten Felsnadel gab es einen Mining Claim, in dessen Dokumenten die Stelle als "The Gunsight" beschrieben ist. Arthur Ekker nannte die Nadel "Man in the Rock". Sie wurde 1975 erstbestiegen. (*)

Weiter gehts in Richtung Andy Miller Flats.

Andy Miller Flats
Hier sind die mauerartigen Strukturen schon weiter abgetragen.

Links im Photo sieht man ein Mauerrest mit Durchbruch, von Bob Fagley als Maze 633-2 Arch bezeichnet. Ca. 2 Meilen weiter ein anderes Erosionsgebilde:

Cobra Rock
Cobra Rock

Wir realisieren, dass wir in Zeitnot geraten könnten. Das wirkt sich aus, wir wollen nur noch vorwärts, haben wenig Zeit zum photographieren. Erst 15 Meilen und eine halbe Stunde später entsteht dann noch dieses Bild:

Wildesel
Wildesel

Obwohl wir in der Gegend schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder unterwegs sind, hatten wir bis dato keine Wildesel gesehen.

Wir erreichen gegen 12:40 p.m. das bekannte Wegekreuz auf dem Waterhole Flat, kommen die nächsten 3 Meilen noch flott voran, um dann für die folgenden 4,5 Meilen eineinhalb Stunden zu benötigen. Nicht nur wegen der fordernden Strecke, sondern auch, weil heute hier - Dienstags! - ein "Verkehr wie auf der Autobahn" herrscht. Da sind auch Leute unterwegs, die für diffizilere Abschnitte sehr viel Zeit benötigen.

Doll House Trail
Teapot Rock aus ungewohnter Perspektive
Doll House Trail
Solche Abschnitte sind hier normal
Doll House Trail
Warten!

An einer steinigen und stufigen Ecke stehen Leute neben dem Trail, bedeuten, dass uns jemand entgegen kommt. Also anhalten, warten. Lady steigt aus, schaut sich die Lage an und schiesst ein paar Photos.

Die entgegenkommenden Fahrer zögern. Daher fahre ich dann doch los.

Doll House Trail
Packen wirs an!
Doll House TrailHier hat man schon einiges an Steinen geschleppt

Es ist eine Frage des Fahrzeugs und der Erfahrung des Fahrers bzw. auch dem Können eines Spotters wie viele Steine man an manchen Hindernissen unterbauen muss. Es muss kein Wrangler sein, vor Jahren waren wir hier mit einem Ford Explorer der 1. Baureihe.

Orange Cliffs
Blick gegen die Fahrtrichtung auf die Orange Cliffs
Doll House Trail
Der Trail weiter in Richtung Land of Standing Rocks und Doll House

Wir haben jetzt wirklich ein Problem! Es ist 2:30 p.m. und wir werden vermutlich noch eine Stunde bis zum Trailhead benötigen. (Es gibt nicht wirklich ein Trailhead!) Danach wahrscheinlich 4 Stunden zu Fuss, um die Runde durch die Canyons zu absolvieren. Ehrlich gesagt, da haben wir uns verkalkuliert! Besser wäre es gewesen, an den Standing Rocks zu übernachten, am nächsten Tag morgens loszuziehen und dann am Nachmittag den Rückweg anzutreten. Aber wir haben kein Permit!

Teapot Canyon
Teapot Canyon

Auf dem Rückweg wieder einiges an Verkehr. Da steht ein Fahrzeug eines kommerziellen Tourausrichters und entgegen kommen zwei Jeep, einer davon sogar samt Einachsanhänger. Ein echter Bremsklotz! Damit ist man sehr langsam, und auf dem Stück, das die beiden gerade befahren ist Passieren im Gegenverkehr völlig ausgeschlossen.

nahe des Teapot Rocks
Warten auf den Gegenverkehr
Doll House Trail
Gegenverkehr! Das 2. Fahrzeug samt Einachshänger

Als die beiden vorbei sind startet der Gewerbliche zuerst, wir folgen. Ehrlich gesagt, mir tun die zahlenden Gäste leid, auf der Rückbank des Jeeps ist das alles andere als eine Spazierfahrt. Die People sahen auch während der Warterei auf die Entgegenkommenden ziemlich fertig aus.

Teapot Rock
Noch einmal Teapot Rock. Der Trail wird einfacher.

Relativ schnell erreichen wir Waterhole Flat, sehen die Gunsight Butte, durch deren (von hier aus gesehen) linke Lücke Tim Martin mit uns so tief geflogen war, dass das Flugzeug zwischen den Felswänden flog.

Durch die rechte Lücke führt über den Sunset Pass die Road, die durch das Hatch Canyon - System führt, den Dirty Devil River durchquert und an der UT 95 endet. Lang, einsam und landschaftlich ein absolutes Highlight!

Gunsight Butte
Gunsight Butte

Am Wegekreuz fahren wir links in Richtung Hite.

Waterhole Flat
35 Meilen bis Hite - oder bis zur UT 95?

Obige ältere Aufnahme zeigt das Schild allerdings aus Richtung vom Flint Trail/Hans Flat kommend.

Hite Road
Waterhole Flat, Hite Road
Cactus Bloom
Sclerocactus parviflorus subspecies intermedius

Im Mai findet man überall blühende Kakteen.

LaSal Mountains
LaSal Mountains.

Vor den Bergen liegt Moab und da wollen wir heute noch hin. Luftlinie knapp 50 Meilen, mit dem Auto aber fast viermal so weit.

Gunsight Butte
Hinter der Lücke liegt das riesige Hatch Canyon - System
Hite Road
Im Hintergrund "The Block"

Der helle Sandstein im Vordergrund gehört zum White Rim Sandstone, der namensgebend für den recht langen Trail rund um die Spitze von Island in the Sky ist.

White Rim Sandstone
Mehr White Rim Sandstone
Cove Arch
Südlich - links - der Road kann man Cove Arch finden.
am Cove Arch
Die Cliffs gegenüber des Cove Arch sind jenem am White Rim sehr ähnlich.

Um den Arch zu sehen, muss man am besten anhalten und aussteigen. Dabei fallen uns im Gestein einige Besonderheiten auf. Versteinerungen? Wir wissen es nicht genau.

Hite Road
Hite Road
Hite Road
Versteinerungen?
Cove Canyon
Cove Canyon

Nicht weit entfernt vom Arch findet sich ein Wegedreieck. Die von der Hite Road abzweigende Spur führt in den Cove Canyon hinein. Wir waren schon mal ein Stück im Canyon, haben jetzt vermutlich noch genug Zeit, ihn uns näher anzusehen.

Cove Canyon

Weiter in Richtung Hite! Wir kommen erneut am Maze 633-2 Arch vorbei. Ein Arch? Eher nicht, da sind zwei Öffnungen und in der grosseren von beiden findet man nochmal 4 kleinere Durchbrüche.

Maze 633-2 Arch
Der Maze 633-2 Arch

Um 6:20 p.m. sind wir wieder auf Teer - UT 95 - angelangt. Jetzt wollen wir die grosse Runde koplettieren, wählen für den Rückweg die Strecke über Hanksville und Green River. 3 Stunden Fahrt liegen noch vor uns.

Turkey Knob
Turkey Knob

Ca. 0,6 Meilen nördlich der Abzweigung der UT 276 in Richtung Bullfrog Marina halten wir an einem Trail an, der in Richtung Turkey Knob und Cedar Point führt. Letzterer ist eines der ganz grossen Highlights im Südosten Utahs, aber nur wenigen Locals bekannt.

Eineinviertel Stunden später an der Auffahrt zur Interstate 70. Eine kurze Verschnaufpause nebenan am Buckmaster Draw, wegen des Lichts noch ein paar Photos:

Buckmaster Draw
Am Buckmaster Draw
Buckmaster Draw
Buckmaster Draw
Moon is up

In Moab schliesst sich der Kreis gegen 10:20 p.m. Ein langer Tag!

Epilog:
Sweet Alice Canyon heisst eigentlich gar nicht so! Auch hier haben die amtlichen Stellen den bei den locals bekannten alten Namen gefälscht, weil er ihnen geschmacklos erschien. Nach Steve Allen war der ursprüngliche Name Sweet Ass Canyon.

Der Name entstand offenbar unter Cowboys, von denen einer Ute-Frauen beim Baden an der Quelle im Canyon beobachtete und später seinen Kumpels berichtete, er habe "the sweetest little ass" gesehen, den er sich vorstellen könne.

[*] Quelle: Steve Allen: Utah's Canyon Country Place Names; First Edition 2012