Letzte Aktualisierung: 14 Jan 2017

Dry Bayou Mesa

Westlich von Bluff trennen sich die Highways US 163 und US 191. Die 163 führt westlich nach Mexican Hat, am Monument Valley vorbei und nach Kayenta. Nicht weit von Mexican Hat entfernt kann man über einen viereinhalb Meilen langen Abstecher zum Goosenecks State Park gelangen und sich Einblicke in den tief eingeschnittenen und stark gewundenen Canyon des San Juan Rivers verschaffen. Der View Point ist beliebt und recht gut besucht.

Der Fluss erreicht westlich von Bluff die Comb Ridge, durchbricht sie um dann ihrem Verlauf für ca. 2 Meilen nach Süden zu folgen, bevor er wieder nach Westen abdreht und die später aufgewölbten Stukturen der Lime Bench und der Raplee Anticline durchschneidet. Raplee Anticline bildet mit ihren abwechselnd roten und grauen Schichten die Kulisse von Mexican Hat.

Zwischen Comb Ridge und Mexican Hat ist der Fluss ähnlich tief eingeschnitten wie bei den Goosenecks, spielt aber touristisch keinerlei Rolle, obwohl das Panorama nicht weniger sehenswert ist. Nur - es erfodert einfach mehr Mühe, die Gegend zu erkunden.

Wir kommen aus Richtung Bluff, durchqueren die Comb Ridge auf der US 163. Viereinhalb Meilen weiter, bei 12S 0612736 4124671 verlassen wir die Strasse in Richtung Süden. Der Trail ist nicht besonders anstrengend, bietet aber auch keine Highlights. Einfach eine holprige Road in öder Landschaft! Einheimische nennen sie Lime Ridge Road und offiziell ist es die SJC-2351. Nach gut eineinhalb Meilen biegt die Spur nach rechts hinter einem Hügel ab, führt in eine Art Steinbruch oder Schottergrube. Man muss etwas suchen, um den Ausgang auf der anderen Seite zu finden. Wichtig ist es, den Punkt bei 12S 0612686 4122013 zu erreichen und der dort nach Süden abzweigenden Spur zu folgen.

Hier sind die Spuren oft nur schwach ausgeprägt, dafür sehr steinig. Vorsicht ist geboten, denn man bewegt sich auf scharfkantigem Kalkstein (Lime Stone). Daher auch der Name Lime Ridge. Langsam fahren!

Grössere Photos 1200 Px
Kalkstein der Lime Stone Ridge
Scharfkantiger Kalkstein.

Ansonsten ist die Gegend öde, nur mit niedrigem Brush bestanden. Ab und an gibt es relativ weit gehende Blicke in südliche Richtung, ohne dass sich das Auge irgendwo so richtig festsetzen könnte. Nach ca. eineinhalb Meilen, bei 12S 0612628 4120283 gabelt sich die Spur und wir halten uns links. Nach weniger als einer halben Meile eröffnet sich dann zur Rechten ein eindrucksvolles Panorama:

Dry Bajou Mesa
Dry Bayou Mesa. Dahinter Sugarloaf Mtn., am Horizont Cedar Mesa - da, wo sich der Moqui Dugway befindet.

Ein gewaltiger Kessel von ungefähr einer Meile Durchmesser öffnet sich unter uns. Ein Zentralberg verstärkt noch den mondähnlichen Eindruck. Was haben wir denn da vor uns?

LaVerne Tate, die Grande Dame des Magazins "Blue Mountain Shadows" bezeichnet dieses gewaltige Rincon des San Juan Rivers bzw. seine zentrale Erhebung als "Dry Bayou Mesa". (Ausgaben der Publikation, die sich mit der Historie der San Juan County befasst, kann man im Museum und Visitor Center von Blanding kaufen.)

Die Bezeichnung Bayou kommt eigentlich aus den Südstaaten, kennzeichnet eine abgeschnittene alten Flussschlinge, in dem sich oft ein mondsichelförmiges Totgewässer befindet, ein "Oxbow Lake". Ähnlichkeiten mit Armen des Altrheins in Deutschland sind gegeben. Hier am San Juan liegt die alte Biegung trocken, daher Dry Bayou und der Umlaufberg in der Mitte der Schlinge ist dann eben Dry Bayou Mesa.

Der Fluss muss sich schon vor langer Zeit seinen Weg durch die Engstelle - das Neck - im Westen gebahnt haben, denn er liegt heute gut 100 Meter tiefer als der höchste Punkt seines alten Laufs im Scheitel der Biegung.

Photographisch ist die Sache nicht ganz trivial. Die obige Aufnahme entstand mit einem 16mm Objektiv (Formatfaktor 1,5). Das reichte noch nicht aus um den Kessel vollständig ins Bild zu bekommen.

Dry Bajou
Ein beeindruckender Kessel!

Dieser eine Punkt bietet zwar einen sehr schönen Blick, aber wir wollen versuchen, noch etwas mehr zu sehen. Nach den Karten bietet sich die südliche Landspitze zwischen Dry Bayou und dem Canyon des San Juan Rivers an. Dort würden wir auch nicht so sehr gegen den hellen Himmel im Westen schauen.

Wir fahren einfach auf der Spur weiter, auf der wir uns befinden. Stellenweise ist sie nur schwer auszumachen, rauh ist sie überall. Nach etwas mehr als einer dreiviertel Meile erreicht man den Rand des Canyons, muss sich entscheiden, in welche Richtung es weitergehen soll? Wir nehmen die Spur nach rechts, die an der Landspitze endet. 250 Meter unter uns rauscht der San Juan River über die Four Foot Rapids.

San Juan River
Am Rand des San Juan River Canyons.

Im Süden finden sich zwei kleinere Schleifen des Rivers, nicht so mächtig wie die an den Goosenecks, aber ähnlich tief eingegraben. Die werden wir uns später noch ansehen. Jetzt geht es erst einmal zur Spitze im Norden.

Landspitze zwischen Dry Bayou und dem San Juan River Canyon
Die Landspitze am Südende des Dry Bayou.
San Juan River Canyon
San Juan River Canyon.

Blickt man nach Norden, dann erkennt man im Dunst das Valley of the Gods. Luftlinie liegen die Monumente um die 8 Meilen entfernt.

Durchbruch des SAn Juan Rivers
Die beiden Arme des Rincons treffen auf den Fluss.
Dry Bayou
Dry Bayou. Vom hinteren Rand hatten wir den ersten Blick in das Rincon.
Dry Bayou Mesa
Dry Bayou Mesa - am Horizont die Lime Ridge.
Bear Ears
Die Landmark der Bear Ears liegt nördlich der UT 95 - ca. 30 Meilen entfernt.

Ich war auf den niedriger liegenden Teil der Landspitze heruntergeklettert und schaue nun nach einem einfacheren Rückweg. Lady versucht, von oben Hilfestellung zu geben.

Dry Bayou
Da lang?

Man muss dann doch wieder rechts am Hügel und nahe der Abbruchkante in den Canyon hinunter gehen, um wieder die paar Meter nach oben zu klettern. Bei dem scharfkantigen Kalkstein heisst es aufpassen, um sich nicht die Haut aufzureissen. Dafür gibts es als Entschädigung nochmal einen guten Blick zu den nicht weit entfernt liegenden Goosenecks.

San Juan River Canyon
San Juan River Canyons mit den kleineren Goosenecks.

Wir fahren zurück, an dem Punkt vorbei wo wir den Canyonrand erreicht hatten. Von dort geht es noch einmal eine halbe Meile nach Süden. Die Spur endet auf einer weiteren Felsnase genau oberhalb der Doppelschleife des Flusses.

San Juan River
Über der Doppelschleife des Rivers.Die Canyonwand zeigt den Anstieg der Schichten. Raplee Anticline.

Der Canyon wird hier schnell flacher. Wieder einer dieser für den Südwesten so typischen Eintritte eines Flusses in eine Aufwölbung! Von links hinten kommt der San Juan River im obigen Photo aus dem tiefer liegenden Tal westlich der Comb Ridge und beginnt die rund 250 Meter höher liegende Aufwölbung der Raplee Anticline zu durchschneiden.

Weiter zum Horizont hin ragt das Mule Ear auf, ein Teil der Comb Ridge, in dem die Schichtfolgen ebenfalls deutlich nach oben verformt sind.

Nachdem der abendliche Schatten schon deutlich in den Canyon kriecht kehren wir um. Zurück zu dem Punkt, an dem wir das erste Mal Dry Bayou sahen und dann weiter nach Norden. Bei 12S 0612623 4120283 entschliessen wir uns, nach Westen abzubiegen - wir waren ursprünglich von Osten gekommen - um am Nordrand des Rincons entlang in Richtung der US 163 zu fahren.

Dry Bayou Mesa
Dry Bayou Mesa von Norden.

Der Trail erweist sich als genauso steinig wie die Zufahrt. Wie wir später aus den GPS-Tracks erkennen können, verlieren wir die in den Topomaps eingezeichnete Spur sogar, folgen einer anderen, die nicht verzeichnet ist. Viel Unterschied macht es nicht. Wir erreichen letztendlich bei 12S 0609736 4122998 die US 163.