Letzte Aktualisierung: 14 Jan 2017

Heatwave

Am 1. Juli sind wir in Moab angekommen. Wir haben noch etwas Jetlag, unternehmen daher an diesem Tag nicht mehr viel ausser Vorräte einzukaufen. Am nächsten Tag soll es dann ernst werden. Zuerst müssen wir unsere Ausrüstung, die wir vor Ort eingelagert haben, im Fahrzeug verstauen.

Wir haben zum ersten Mal einen Jeep Wrangler Unlimited in "Sahara"-Ausführung. Ein ungewohntes Fahrzeug bedeutet stets ausprobieren und lernen, wie man die Dinge am besten verstaut. Es soll nichts herumfliegen und auch nicht klappern. Zusätzlich müssen die Stromversorgungen für das GPS-Gerät und den PC installiert werden.

Der Kofferraum des Jeeps ist recht gross, aber insgesamt fehlt es an Ablagen für Kleinkram. Es dauert, bis ich alles zufriedenstellend untergebracht habe. Danach steht eine Probefahrt auf dem Programm, um zu testen, ob wirklich nichts klappert. Sowas geht natürlich nicht auf Teer, dazu muss es schon etwas rauher sein.

Der Sommer 2011 ist normal, also hat es Samstag nachmittags gegen 5 p.m. um die 42°C, als wir am City Market volltanken.

Grössere Photos 1200 Px

Jeep Wrangler Unlimited
Jeep Wrangler in Rescue Green

Wir fahren auf der US 191 in Richtung Interstate 70, um ca. 0,8 Meilen nördlich von Valley City bei 12S 0603085 4303575 auf die Valley City Road abzubiegen. Es handelt sich um die historische Route, die früher Moab mit dem Bahnhof in Thompson Springs verband.

Schon nach eineinviertel Meilen (12S 0604105 4305345) geht es nach rechts in Richtung Salt Valley. Wir könnten auf der Road bis hinunter zur geteerten Strasse im Arches National Park fahren. Das ist aber nicht unser Ziel.

Salt Valley stellt ein interessantes geologisches Objekt dar. Was heute wie ein Tal aussieht war einst eine Aufwölbung. Salz wurde nach oben gedrückt, hob die darüber liegenden Sedimente an. Später wurden die Salze durch Oberflächengewässer angeschnitten und ausgelaugt, so dass eine Art Gräben zurückblieben. Genauso entstand auch das Spanish Valley, in dem Moab liegt.

Salt Valley
Gut sieht man die hochgedrückten Schichtfolgen am östlichen Rand des Salt Valleys

Anfang der 1990er Jahre waren wir schon einmal bei Regenwetter auf dieser Road unterwegs. Was heute ein Spaziergang ist, wurde damals zur Schlammschlacht, aus der wir das Fahrzeug nur mit einer gehörigen Portion Glück gut herausbrachten. Heute würde es uns nicht im Traum einfallen, bei feuchtem Wetter eine Route im Mancos Shale zu befahren.

Salt Valley Road bei Regen
Bei Regen entsteht sehr schnell eine schmierseifenglatte Oberfläche, das Fahrzeug sinkt ein.

Bei 12S 0607570 4304088 biegen wir nach links (Osten) ab, um durch das Little Valley in Richtung Yellow Cat Flat zu fahren. Nicht allzu lange und wir haben ein Problem! Es wird warm im Auto, die Lüftung liefert keine gekühlte Luft mehr. Anhalten, nachschauen. Auf den ersten Blick ist kein Defekt festzustellen. Da müssen wir wohl den Spezialvermieter kontaktieren, von dem wir das Fahrzeug übernommen haben.

Hier draussen hats wie meistens erst mal keinen Cell Phone-Empfang. Wir beschliessen in Richtung Interstate 70 und der Exit Yellow Cat Road zu fahren. Auf der Interstate haben wir Verbindung, aber wie zu vermuten ist beim Vermieter jetzt um kurz nach 6 p.m. niemand mehr zu erreichen. Ausserdem ist am Montag Nationalfeiertag, da wollen sowieso alle in ein langes Wochenende.

Meine Idee - wir fahren nach Green River. Dort am West Wind Truck Stop gibt es einen 24/7 Repair Shop. Vielleicht kann man uns dort helfen? Könnte man vielleicht wenn jemand da wäre. Alle Türen und Tore stehen weit offen aber keine Menschenseele zu sehen. An der Gas Station erfahre ich, dass alle Mechaniker ausgeflogen sind um draussen auf der I 70 Trucks mit Problemen zu helfen. Green River ist auf den 200 Meilen zwischen Colorado und Salinas der einzige Punkt, an dem es Hilfe gibt.

Versuchen wirs mit dem AAA. Erstens sind wir Mitglieder, zweitens mit Pannenversicherung. Die Lady könnte uns einen Abschlepper organisieren, den brauchen wir genau nicht, denn an sich läuft der Jeep ausgezeichnet, nur uns ist es ziemlich warm! Sie versucht Werkstätten anzurufen, bekommt auch niemanden mehr ans Telephon. Sie gibt mir Rufnummern von zwei Firmen in Moab. Eine kenne ich - Arches Repair Center! Dort hat man uns mal vor 5 Jahren geholfen, als wir mit einem elektrisch miserablen Jeep Grand Cherokee unterwegs waren und Sicherungen ersetzt werden mussten, an die man nur mit Spezialwerkzeug herankam.

Heute erreichen wir wohl nichts mehr. Zurück nach Moab zum Abendessen.

Am folgenden Tag - Sonntag - bekommen wir dann doch jemanden vom Arches Repair Center ans Telephon. Ich darf am Montagmorgen dort vorbeischauen! Das ist doch was Positives! Der Vermieter ist damit einverstanden, dass wir das Fahrzeug bei einer Werkstatt mit AAA-Approval reparieren lassen. Für ihn wäre der Aufwand, das Fahrzeug zu tauschen, vermutlich sehr hoch.

Moab Main Street
Moab Main Street: Im Juli ist es sehr ruhig in der Town und wir finden leicht einen schattigen Parkplatz

Wir vergammeln den Sonntag mehr oder weniger, denn bei den hohen Temperaturen macht es keinen rechten Spass ohne Klimatisierung auf Tour zu gehen. Am Montagmorgen bin ich um 8 a.m. bei Arches. Hoffentlich kann die Firma uns helfen!

am Arches Repair Center
Am Arches Repair Center
Towing Car
Das Towing Car haben wir zum Glück nicht benötigt
Jeep Wrangler Rubicon
Customized Rubicon. Damit können wir unser Fahrzeug nicht vergleichen, aber für unsere Ansprüche ist es gut genug.

Relativ schnell steht fest, dass die Klimaanlage kein Kühlmittel mehr enthält. Irgendwas muss undicht sein. Der Mechaniker findet die Schadstelle schnell. Ein Kühlmittelschlauch ist durchgescheuert, weil er "ab Werk" am metallenen Flansch der Hydraulik-Ölleitung zur Servolekung scheuert. Natürlich hat er keinen Ersatz zur Hand. Was nun?

Ich will gerade fragen, ob uns die auf Jeeps spezialisierte Werkstatt an der 400 East helfen könnte? Vielleicht hätten die ja so einen Schlauch aus einem der dort herumstehenden gebrauchten Wranglers. Ok, man müsste zweimal für neues Kühlmittel bezahlen, wir wären aber wieder flott! Im anderen Fall könnte es ein-/zwei Tage dauern, bis das Ersatzteil geliefert würde.

Da schaltet sich ein anderer Mann ein, der nur etwas abholen wollte und erklärt über die nötigen Vorrichtungen zu verfügen, so eine Leitung neu anzufertigen. Könnte so etwa eine Stunde dauern. Die beschädigte Leitung wird ausgebaut und er nimmt sie mit.

Warten!

US 191, Moab
Auch auf der US 191 ist nur sehr wenig Verkehr
Kühlmittelleitung am Jeep Wrangler
Die bogenförmige schwarze Leitung mit den silbernen Anschlussflanschen war das Problem. (hier neu)

Eine Stunde später ist die neu angefertigte Leitung da, nochmal eine Stunde und die Klimaanlage läuft wieder einwandfrei. Was für ein toller Service! Das man sich so gegenseitig hilft ist etwas, was man bei uns in Europa weniger findet. Danke an alle Beteiligten!

Bis ich wieder am Haus bin ist es fast 11 a.m. Noch etwas zu Mittag essen um danach aufzubrechen. Die Testfahrt steht ja noch an. Nochmal in Richtung Yellow Cat Flat. Diesmal läuft alles gut und das Little Valley präsentiert sich in der gewohnten Öde.

Little Valley
Road im Little Valley

Wir wollen zum Westrand des Lost Spring Canyons, weil man vom Ende des Trails einen guten Ausblick haben soll. Der Canyon selbst gehört seit 1998 zum Arches National Park, die alte Spur hinunter auf den Boden des Canyons darf daher nicht mehr benutzt werden.

Es gibt nicht nur die breite Road, auf der wir uns befinden, eine Anzahl kleinerer Spuren sind vorhanden. Sie scheinen manchmal reizvoller, so dass wir auf eine davon in Richtung Süden abbiegen.

südlich des Little Valleys
Eine Spur südlich des Little Valleys

Hier wirds dann auch endlich rauh genug um zu testen, ob alles gut verstaut ist. Prima, es gibt diesbezüglich nichts zu klagen.

In dieser Gegend gab es in den 1940er/Anfang der 1950er Jahre viele Minen. Ein Teil des Minenbezirks trägt den einladenden Namen "The Poison Strip". Auch der berühmte Charlie Steen lebte hier draussen in sehr ärmlichen Verhältnissen mit seiner Familie in einem Wohnwagen. Seinen "Big Strike" machte er dann im Bereich des Lisbon Valleys, einem weiteren Salztal südlich von Moab.

beim Yellow Cat Wash
Nahe des Yellow Cat Washs
entlang des Yellow Cat Washs
Entlang des Yellow Cat Washs
Mollie Hogans
Die Mollie Hogans

In den Mollie Hogans gab es einige wichtige Minen: Telluride Mines, Parco Mines, Little Eva Mine. Südlich davon die Yellow Bird Mine. Nicht weit entfernt im Poison Strip liegt die auch nicht ganz unbekannte Cactus Rat Mine.

Landscape Arch am Horizont
Es gibt auch Quellen - und am Horizont den Landscape Arch

Die Gegend ist nicht so tot wie es scheint. Heute tummeln sich massenhaft Heuhüpfer auf dem Boden und in der Luft, fahren manchmal ein Stück auf unserem Auto mit. Auch im Innenraum bekommen wir Besuch. Da ich gerade am Navigieren bin, landet der Gast auf dem Notebook.

The Operator
The Operator

Draussen hinter dem Busch tut sich auch was. Ein Mule Deer, das sich nicht photographieren lassen will und uns nur sein Hinterteil zeigt. Wir haben verstanden!

Mule Deer
Ein schöner Rücken muss genügen!

In einer Senke finden wir dann eine unglaublich grosse Menge Tumbleweed vor, das der Wind hier zusammengeweht hat. Der Weg ist stellenweise fast einen Meter hoch damit bedeckt. Langsam pflüge ich mit dem Auto durch die Masse. Derweilen geht ein Schauer über dem Arches nieder. Der bedeckte Himmel erzeugt unwirkliche Farben. Wir werden von dem Guss zum Glück nichts abbekommen.

Tumble Weed
Tumble Weed. Über dem Arches geht ein Schauer nieder.
Flowers
Wo wir stehen kommt die Sonne noch etwas durch

Östlich des Poison Strips geht es auf die Highlands Road (12S 0629040 4300018). Nach knapp 2 Meilen führt uns bei 12S 0630575 42981120 eine Spur nach rechts zu unserem Ziel. Nochmal ca. 2 Meilen und man kann in den Lost Spring Canyon blicken.

Trotzdem kommen wir nicht so weit wie gewünscht. Obwohl noch ausserhalb des National Parks hat man den 4WD-Trail bei ca. 12S 0628773 4295224 für Fahrzeuge geschlossen. Zwar könnte man das einfach ignorieren und weiterfahren, aber die Trail Etiquette verbietet das.

Wir steigen aus, laufen zum westlichen Rand des Canyons. Theoretisch könnte man auf der alten Fahrspur zum Wash hinunter und dort weiter in Richtung Salt Wash Canyon wandern, wäre damit im Park. Das machen wir aber nicht, denn inzwischen ist es nach 4 p.m. und heute Abend gibt es Feuerwerk in Moab. 4th of July Fireworks haben wir noch nicht erlebt.

Lost Spring Canyon
Lost Spring Canyon
Lost Spring Canyon
Lady hat einen besseren Aussichtspunkt gefunden
Unnamed Arch
Ein Stück weiter dieser ungewöhnliche Arch. Ob er einen Namen hat haben wir bis heute nicht herausbekommen.
Lost Spring Canyon
Jetzt stehen wir im Schatten und Lost Spring Canyon liegt im Sonnenschein. Die Windows Section des Arches National Park im Hintergrund.
Lost Spring Canyon
Das nördliche Ende des Lost Spring Canyons
Lost Spring Canyon
Lost Spring Canyon
Cliffs
Lost Spring Canyon
Noch einmal - The Grand View!

Für den Weg nach Moab kehren wir zum Poison Strip zurück, nehmen von dort die Gravelroad nach Norden in Richtung Interstate 70. Optisch bietet sie nicht sonderlich viel, aber man kommt flott voran.

Gravelroad vom Poison Strip zur I 70
Auf dem Weg vom Poison Strip zur I 70
Gravelroad vom Poison Strip zur I 70
Das flache Tal des Sagers Wash