Letzte Aktualisierung: 22 May 2018

Double Arch? Darf es etwas mehr sein?

Double Arch ist eines der grossen Features des Arches National Parks. So berühmt, dass man es als Kulisse eines Indiana Jones - Filmes - wenngleich verfremdet - verwendet hat. Es muss schon etwas Besonderes sein, das da unter mehr als 2.000 Arches im Park so herausgestellt wird. Schliesslich gibt es ja sozusagen gemeine Arches mit nur einer Öffnung an jeder Wegesecke. Leicht zu erreichen ist er auch noch, Parkplatz praktisch direkt vor der Haustüre. Bequem! Passt alles zusammen! Was will man mehr? Wenn Sie nicht mehr wollen, lesen Sie einfach nicht weiter!

Vielleicht wollen Sie ja mehr - zum Beispiel nicht nur "lächerliche" zwei Öffnungen in einem Arch, - das ist ja nicht so einmalig, das bieten andere auch - Rattlesnake Canyon oder in gewisser Hinsicht auch die Gemini Bridges und die kosten beide noch nicht mal Eintritt!

Abhilfe ist möglich, da gäbe es einen fünfbogigen Arch im Programm. Aber nicht für jedermann, es fordert schon Mühe und Aufwand ihn zu sehen und ein paar Fähigkeiten sollte der Besucher auch mitbringen. Aber davon später! Schliesslich geht es um ein ziemlich seltenes Feature!

Wo findet sich der sagenhafte Arch?

Er liegt westlich des Green Rivers einige Meilen südlich des berühmten Bowknot Bend, der grossen Flussschlinge. Gut über die Green River Road zu erreichen, die von der gleichnamigen Town in Richtung Süden zum Horseshoe Canyon und Hans Flat führt.

Hat der Arch auch einen Namen?

Sagen wir jein! Offiziell erscheint er nicht in der Namensliste des USGS, aber das Feature wird als 5 Opening Arch oder seit kürzerem auch als Colonnade Arch bezeichnet.

Die Green River Road beginnt südlich der Town an der Strasse zum lokalen Flugfeld. Von der Main Street biegt man in der Ortsmitte auf die South Long Street ab, fährt an den Gleisen der Eisenbahn links zum 300 m entfernten Bahnübergang. Unter der I 70 hindurch erreicht man 2,5 Meilen jenseits der Schienen den Beginn der Gravelroad bei 12S 0570415, 4312645. Halblinks abbiegen. Ab hier ist ein 4WD fein, aber noch nicht unbedingt erforderlich.

Die Road verläuft in einigem Abstand zum Fluss. Ein- zweimal erspäht man ihn linkerhand. Mehrfach gehen Wege nach Osten in Richtung Fluss. Die Strasse erscheint dem nicht Eingeweihten vielleicht öde - in Wirklichkeit gibt es viel zu entdecken!

Nach siebeneinhalb Meilen überwindet die Road eine niedrige Geländestufe hinunter zum Horse Bench Reservoir, das allerdings in den vergangenen Jahren aufgrund der Dürreperiode kein Wasser enthielt. Hier findet sich ein kleines Stück Painted Desert, von schneeweiss bis tiefbraun.

Painted Desert am Horse Bench  Reservoir
Painted Desert am Horse Bench Reservoir

Drei Meilen weiter nach Süden liegt links der Strasse ein riesiges, aber recht flaches Rincon des Green Rivers. Leicht zu übersehen, aber wenn die Road kurz darauf scharf nach Osten abbiegt, hat man es fast genau vor sich.

Überhaupt die Road an sich! Zumeist befindet sie sich in gutem Zustand, kann auch mit einem normalen Pkw und entsprechender Vorsicht befahren werden. Da es sich um eine der grösseren County Roads handelt, erfährt sie eine mehr oder weniger regelmässige Wartung. Aber die Natur hier draussen in der San Rafael Desert ist trotz allem rauh, hält Überraschungen bereit.

Green River Road - Sandverwehungen
Sanddünen kriechen auf die Fahrbahn

Bei den in den letzten Jahren immer häufiger auftretenden Sandstürmen kann die Road innerhalb kurzer Zeit verschüttet werden. Daher die Empfehlung, hier nur mit einem geländegängigen Fahrzeug unterwegs zu sein.

17 Meilen vom Beginn der Road entfernt steigt sie relativ steil hinab in ein weiteres altes Rincon des Green, erreicht nach weiteren 3 Meilen den San Rafael River und überquert ihn auf einer neuen Brücke.

Südlich des Flüsschens erstrecken sich die tiefroten Entrada - Cliffs, welche im Osten vom Entrada Gap - Trail umrundet werden und westlich der Road Gruyver Mesa bilden. Leicht zu erkennen an der Pyramide von The Cone, die sich westlich davon als Landmark erhebt.

Oben auf der Mesa, deren Hochfläche mit 4 WD erreichbar ist, findet sich ein alter Landing Strip aus den Zeiten des Uranium Booms, zwischen der Green River Road und der Erhebung verläuft Moonshine Wash, abschnittsweise ein Slot, den man auf eigene Faust erkunden kann.

Gruyver Mesa und The Cone
Gruyver Mesa - rechts davon The Cone

Nach Westen hin geht der Blick über die Weite der San Rafael Desert. Die Flat Top Mesas und der Gebirgszug der Henry Moutains erscheinen am Horizont. Ganz schön einsam ist es hier!

San Rafael Desert: Flat Top Mesas und Herny Mountains
Die Flat Top Mesas und Henry Mountains

Vom Graben des Three Canyons bekommt man leider nichts zu sehen, genauso wenig wie von Trin Alcove Bend des Green Rivers der hinter den östlichen Cliffs liegt. Diese enge Flussschlinge gleicht dem Horseshoe Bend nahe Page, bietet daneben noch die kleine Version des Half Domes im Yosemite Park. Bei ca. 12S 0574580, 4285970 zweigt eine Spur nach Osten ab, auf der man nach kurzer Fahrt (1,5 Meilen) den Punkt erreichen kann. (die letztgenannte Koordinate kann ungenau sein, dient nur als Anhaltspunkt!)

Aber wir wollen ja noch weiter!

Die Road wird schleichend immer etwas schlechter, aber nicht wirklich schlecht. 12 Meilen liegen noch vor uns, dann erreichen wir bei 12S 0573710, 4268100 eine Spur nach Osten, die an den dort aufragenden Keg Knoll heran und nördlich daran vorbei führt. Hier sind wir richtig!

Manches Kartenmaterial gaukelt eine zweite Spur vor, die dort abzweigen soll. Frei erfunden - es gibt nur eine! Nicht weit vom Knoll entfernt biegt die Spur - hier ist 4 WD nötig! - nach Nordosten ab und führt auf ein ausgedehntes Slickrockfeld.

Leider spielt das Wetter bei unserem Besuch nicht mit. Starke Bewölkung, sehr windig, was den Sand zum Fliegen bringt. Es gibt Angenehmeres! Und dann kämpfen wir mit dem Slickrock! Wo verläuft die richtige Spur? Keine Ahnung, wir kommen nicht vorwärts. Aussteigen und umsehen!

Lady entdeckt eine hölzerne Barriere recht weit entfernt am anderen Ende des Steinfelds. Dort ging der Trail früher weiter, führte näher an die Engstelle des Bowknot Bends heran. Heute darf man nur noch zu Fuss weiter - Wilderness Study Area!

Wir entschliessen uns, das Fahrzeug stehen zu lassen und einfach auf Sicht in Richtung der Barriere loszuziehen. Rucksäcke raus, viel zu trinken und etwas zu essen eingepackt und sonst ein paar Kleinigkeiten. Convenience eben! Luftlinie stehen uns gute eineinhalb Meilen bis zum Arch bevor.

Slickrock
Lady hat etwas entdeckt! Gehts dort weiter?
Keg Knoll
Hier lassen wir unseren treuen Begleiter stehen. Im Hintergrund: Keg Knoll

Die Barriere ist schnell erreicht und tatsächlich finden wir hier Spuren des alten Trails, folgen ihm noch NO. Abgesehen vom suboptimalen Wetter ist es eine einfache Route.

Bowknot Bend Trail
Entlang des Bowknot Bend Trails

Eins ist klar, irgendwann werden wir die ehemalige 4WD-Road verlassen müssen und uns querfeldein einen Weg suchen. Die Koordinaten des Arches selbst haben wir aus den USGS-Topomaps in den GPS-Empfänger übertragen, so dass wir den Punkt sicher finden sollten.

Die ersten Cairns! Hier gehts in Richtung Rand des Two Canyons. Wir folgen ihnen, gelangen schnell auf Slickrock und nahe an den Canyon heran! Sehr nahe für den, der nicht ganz schwindelfrei ist.

Two Canyon, Green River, Deadman Point,  LaSal Mountains
Durch den Two Canyon sieht man den Green River. Gegenüber Deadman Point. Am Horizont die LaSal Mountains
Two Canyon
Der durch Cairns vorgegebene Trail geht nahe an die Cliffs des Two Canyons heran.

Der durch die Cairns vorgegebene Weg ist nicht ganz ohne, führt sehr dicht am Abgrund entlang und soll uns steil über einen felsigen Abhang auf ein tieferes Niveau führen. Ungemütlich! Wir entschliessen uns, den Abstieg an anderer Stelle zu versuchen.

Auf dem Weg zum Five Opening Arch
Fast schon Potholes
Five Opening Arch Trail
Lady betätigt sich als Scout
Am Weg zum Five Opening Arch, Windschichtung
Windgeschichtetes Sediment - laut GPS liegt der Arch hinter diesem Hügel.
Five Opening Arch
Heureka! Da ist er - aber wie kommt man hin?

Wir können einen ersten Blick auf den Arch werfen. Nur - wie kommen wir ran? Der Slickrock auf, dem wir stehen, fällt mit bemerkenswerter Schräge in Richtung der senkrechten Cliffs des Two Canyon ab. Offenbar müssen wir hier quer hinüber. Vorsicht!

Five Opening Arch Trail
Der Busch im Hintergrund dient als Zielpunkt beim Überqueren der Schräge.
Two Canyon
Das befindet sich zu unseren Rechten.
Five Opening Arch Trail
Blick zurück

Geschafft! Wir stehen unterhalb des 5 Opening Arches. (12S 0580463, 4271099)

Ist das überhaupt ein Arch? Auf den ersten Blick erscheint die Anordnung wie die dreier nebeneinander liegender Alkoven, deren Rückwände teilweise durchgebrochen sind. Völlig richtig! Und damit entspricht die Sache genau dem üblichen Mechanismus der Archentstehung. Zuerst bilden sich an wasserführenden Grenzschichten Alkoven, dann brechen Teile der Decken oder Rückwände ein, schaffen so den Durchgang. Also doch ein Arch aber auch eine ungewöhnliche Verbindung benachbarter Arches.

Gleichgültig wie - es bleibt ein bemerkenswertes Feature, das ziemlich einmalig sein dürfte.

Five Opening Arch
Alle fünf Öffnungen auf eine Blick
Five Opening Arch
Man kann auch relativ einfach ins Innere des Arches gelangen.
Five Opening Arch
In der Nachbarschaft bilden sich die Alkoven der nächsten Generation.

Den Arch zu finden ist eine Sache, ihn photographisch ins rechte Licht zu setzen eine andere. Morgens wären die Lichtverhältnisse wohl am besten, am Mittag und frühen Nachmittag schlecht, weil man gegen die Sonne photographiert. Gut, das haben wir heute bei dem recht schlechten Wetter nicht, aber der bedeckte Himmel mindert die Kontraste, lässt alles flach erscheinen. Gegen Abend dürfte es wieder besser werden, wenn die Sonne hinter den Hügeln verschwindet.

Five Opening Arch in seiner Gesamtheit abzulichten ist eine Herausforderung wenn kein richtiges Weitwinkel-Objektiv zur Verfügung steht! Weit zurückzugehen verbietet sich aufgrund der Cliffs zum Two Canyon. Watch your step!

Langsam wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Schliesslich wollen wir bei dem unsicheren Wetter nicht zu spät an unseren Auto ankommen.Five Opening Arch Trail
Blick zurück auf das ausgedehnte Slickrockfeld am Rande des Two Canyon.