Letzte Aktualisierung: 22 May 2018

Giles

In diesem Jahr - 2015 - hatten wir uns intensiver mit dem grauen Utah, also den Shale-Gebieten auseinadergesetzt. Von den Pinto Hills und den Lower Blue Hills waren wir positiv überrascht. Sie kamen so ganz anders daher als die Red Rock Areas.

Dieses Mal soll es in die Gegend von Caineville gehen, sozusagen die heimliche Hauptstadt des Shales. An der UT 24 bei 12S 0511050 4245468 - die Stelle liegt knapp östlich des Neilson Washs - biegen wir zum River hin ab. Diese Abzweigung liegt 9,5 Meilen westlich der grossen Kreuzung in Hanksville bzw. 8,5 Meilen östlich von Caineville. Hier gibt es eine Handvoll Häuser, das Hamlet Elephant.

Die Entfernung zum Fluss ist gering.

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Fremont River Ford
Furt durch den Fremont River

Bei diesem Wasserstand ist die Durchfahrt auch für einen Pkw zu bewältigen. Am Südufer sieht es so aus:

südlich des Fremont River Ford
Grauer Shale mit der Dakota Sandstone-Kappe

Die Road schwenkt nach Osten um, zieht sich zwischen River und den südlichen Cliffs dahin. Nach Norden jenseits des Fremont steht die Landmark der Factory Butte über der Factory Bench.

Factory Butte
Factory Butte

Vor uns taucht eine weitere Landmark auf - Steamboat Point.

Steamboat Point
Steamboat Point

Es ist zwar mehr oder minder stark bewölkt, bleibt aber trocken. Gut so, denn Regen im Shale kann schnell zu einem grossen Problem werden.

Steamboat Point
Giles Road

Bei unserer Tour befindet sich die Road aber in sehr gutem Zustand. Was wir noch nicht wissen, sie ist die lange gesuchte Verbindung hinauf in die Blue Hills, die wir vor Jahren vergeblich gesucht hatten.

Giles Road
Typische Kulisse an der Giles Road
Giles Road
Blick zurück nach Westen in Richtung Fremont River Ford

Noch vor der Spitze des Steamboats tauchen plötzlich "Hinweisschilder auf:

Giles Road
Signs und Skyline Rim mit Berthas Rock im Hintergrund

Berthas Rock ist benannt nach der Tochter des namensgebenden Henry Giles.

Nichts wirklich Historisches, nennen wir es Folklore. Wir werden noch auf weitere etwas arrangiert anmutende Dinge stossen.

Giles Road
Rote Cliffs? Fehlanzeige!
Giles "Ghost Ranch"
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es diese Ranch wirklich gab
Giles
Auch dieser Hinweis ist fragwürdig

Schon vor Ort, aber mehr noch später bei der Nachrecherche kommen Zweifel, ob die "Beschilderung" einen authentischen Hintergrund hat.

Wir umrunden die Spitze des Steamboat Points, stossen auf eine Wegekreuzung bei ca. 12S 0512815 4244955. Gleich daneben finden wir ein rostiges landwirtschaftliche Gerät, das suggerieren soll, es wäre in Giles eingesetzt worden.

Giles
Potato Digger

Recherchen ergaben, dass das Gerät erst Jahrzehnte nach dem Ende des Orts - spätestens 1919 - gebaut wurde. Bleibt die Frage, warum es so exponiert aufgestellt wurde?

Daneben steht ein weiteres Schild:

Ghost Ranch
Ghost Ranch?

Wie schon erwähnt gibt es keinerlei Hinweis auf die tatsächliche Existenz dieser Ranch. Einzig und alleine die Bezeichnung Blue Valley ist historisch belegt.

An der schon genannten Wegegabelung halten wir uns erst einmal rechts, fahren in Richtung der Henry Mountains nach SSW weiter. Die Ebene stellt die Mündung des Town Wash Valleys dar.

Town Wash
Town Wash canyon - Henry Mountains

Die Cliffs des Steamboat Points rechts neben dem Weg sind recht imposant.

Steamboat Point
Steamboat Point

Ein weiteres Sign besagt, dass wir hier in Richtung Cemetary unterwegs sind:

Giles Sign
Town Site and Cemetary Signs

Diese Wegweisung wird sich zumindestens als korrekt herausstellen.

Town Wash Valley
Town Wash Valley

Nach knapp 1,4 Meilen, kurz hinter der Überquerung des Town Washs, zieht die Spur bei ca. 12S 0512150 4242770 nach links weg. Würden wir weiter entlang des Washs in südlicher Richtung fahren, kämen wir vermutlich zu jenem Trail, den wir vor Jahren in den Blue Hills befuhren, beschrieben in "No particular place to go!" Man könnte so alternativ nach Hanksville gelangen.

Giles
 
Giles Town Wash Valley
Town Wash Valley
Giles Town Wash Valley
Mit etwas Sonne wird alles ansehnlicher

Runde 2 Meilen, nachdem wir vom Weg nach Süden abgefahren sind erreichen wir den Friedhof bei 12S 0514090 4244793. Wahrlich eine einsame und wüste Gegend!

Giles Cemetary
Am Cemetary - der Blick geht nach Norden über den Fremont River zu den Cliffs des Skyline Rims

Wir steigen vor dem einfachen Zaun, der den Platz einfriedet aus, gehen zum Eingang. Dort hängt ein metallenes Schild:

Giles Cemetary
Schild am Zaun des Friedhofs. Fraglich, ob es echt ist?

Unere Zweifel gründen in der Tatsache, dass man das Gelände des Ortes verkaufen möchte. Diese Aktivitäten scheinen schon länger zu laufen und in der Immobilienanzeige hält ein Mann eben diese Schild in Händen, steht aber vor einem völlig unpassenden Hintergrund mit rotem Gestein, Bäumen, einem Leitungsmast und mehreren Gebäuden. Alles das gibt es auf dem Areal und im Umfeld nicht. Die landwirtschaftliche Maschine, die nicht zum Ort gehören kann sowie Schilder mit der offenbar frei erfundenen Bezeichnung "Ghost Ranch" bestärken uns weiter. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens der Friedhof authentisch ist. (Fremdlink zur Verkaufsanzeige - Danke an Ilona aus dem Kraichgau!)

Schiller Grave
76 Jahre war damals und an solchen Orten ein stolzes Alter.

Viele Menschen starben früh. Ärztliche Hilfe gab es wenig bis kaum. Als Bishop Henry Giles - nach ihm wurde die Ansiedlung, die zuvor Burgess nach ihrem Gründer und ersten Siedler hiess, benannt - 1892 vom Pferd stürzte und einen komplizierten Bruch des rechten Beins erlitt.

Einen Arzt gab es nicht vor Ort, der nächste erreichbare Mediziner war 60 Meilen entfernt und Viehdoktor. Man holte ihn trotzdem. Er sägte dem Patienten das Bein ohne jegliche Betäubung mit einer normalen Holzsäge ab. Giles starb am folgenden Tag. (*)

Hunt Headstone
Grabstein einer Mormonenfamilie

Auffallend ist der Unterschied in der Lebenserwartung von Männern und Frauen. Inwieweit dabei die Geburt von Kindern eine Rolle spielte? Jedenfalls wurden beide Frauen im Alter von 16 Jahren verheiratet.

Giles Cemetary
Kindersterblichkeit
Giles Cemetary
Auch sehr einfache Grabsteine sind zu finden

Nicht jede Familie hatte entweder das Geld für einen teuren Stein oder die besseren Steine wurden erst nachträglich gesetzt?

Giles Cemetary
Grabstein des verunglückten Bishop Henry Giles

Ein Bishop ist bei den Latter Day Saints ein Gemeindeoberhaupt ähnlich einem Rabbi. Im Unterschied zu anderen Glaubensgemeinschaften übt er sein Amt nach unserem Kenntnisstand aber zumeist nur für einen begrenzten Zeitraum aus. Das Amt ist ein Ehrenamt.

Giles Cemetary
Die Frau des Bishops überlebte ihn um fast 27 Jahre
Giles Cemetary
Jung gestorben.
Giles Cemetary
Schwer zu lesen.
Giles Cemetary
Grabplatte mit "LDS"-Zeichen
Giles Cemetary
Auch ein Grabstein?
Giles Cemetary
Einsam und öde.
Giles Cemetary
Tumbleweed im Stckeldraht

Wir verlassen den Friedhof, fahren die gleichs Spur zurück, auf der wir gekommen sind. Langsam wird das Wetter besser, der Himmel weniger grau. Das tut der Landschaft und unserem Gemüt gut!

Giles
The Cone

An der Abzweigung, wo man den Kartoffelernter abgestellt hat, nehmen wir jetzt die zweite Spur in Richtung Osten. Nach ca. 0,8 Meilen landen wir am Town Wash, der kein Wasser führt. Die Spur zieht sich hinunter in den Wash, wir folgen ihr aber nicht weiter.

Oben am Rand steht ein Holzkreuz:

Giles Town Wash
Blue Valley Memorial Giles

Es sind Geburts- und Sterbejahre von (wahrscheinlich) Einwohnern von Giles eingeschnitzt. Ob es wirklich alt ist wagen wir nicht zu entscheiden.

Town Wash
Town Wash

Wir kehren endgültig um, es geht zurück nach Elephant und der UT 24. Wir haben nämlich noch einiges vor - es soll zu einem "sagenhaften" Aussichtspunkt gehen.

 

[*] Quelle: Steve Allen: Utah's Canyon Country Place Names; First Edition 2012