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Unter den Brücken von Moab
Es gibt locations, deren Charakter sich je nach Betrachtungswinkel ganz erheblich ändert. Das hatten wir schon öfters erlebt, zumeist im Zusammenhang mit unseren Flügen über den Südwesten.
Eigentlich war unser Ziel ein ganz anderes gewesen, diese Route stellte sich dann als zu schwer heraus, wir kehrten um, hatten zu entscheiden, was wir denn mit dem angebrochenen Tag anfangen wollten. Das nähere Umfeld bot offenbar einiges zum Erkunden und da waren noch Erinnerungen an eine lange zurückliegende Tour.......
Also zurück in den Little Canyon und dem Weg in Richtung der Gemini Bridges gefolgt. Oberhab der Steigung - rund eine halbe Meile vom Wegedreieck im Wash des Little Canyons entfernt - gabelt sich bei ca. 12S 0614920, 4272635 die Spur. Rechts gehts auf dem bekannten Weg zu den Gemini Bridges, nach links weist ein Schild zum Bull Canyon, den wir dann auch ansteuern.
Um die zweieinhalb Meilen befinden wir uns nahe des Bull Canyon Washs, halten uns bei ca. 12S 0615240, 4270570 rechts, fahren in den Kies des Washs hinein.

Bull Canyon Wash

Ganz gemächlich tieft sich Bull Canyon ein
An sich ist das Fahren im Wash einfach, man kommt gut voran. Bei ca. eineinviertel Meilen von der Einfahrt in den Wash gelangt man an eine ausgewaschene Schräge von einer Düne hinab ins Bachbett, die einige Fahrkünste erfordert. Glücklicherweise existiert links eine Umfahrung, die zwar eng, aber weitaus weniger anspruchsvoll daher kommt.

Nicht zu sehen, aber der Hang voraus hat gewisse Tücken. Links halten!
Man sieht es dann schon vor sich - in weniger als einer halben Meile zweigt offenbar ein grösserer Seitencanyon nach rechts ab. Wie sich im Übrigen beim Betrachten der Topomaps herausstellt ein Trugschluss, denn es ist der Hauptcanyon!
Dort wo sich das Tal gabelt führt der 4WD-Trail in westlicher Richtung weiter. Vor 15 Jahren konnte man im Wash noch für eine knappe Viertelmeile fahren. Diese Spur ist nun gesperrt. Man sollte in der Nähe der Sperre parken und die kurze Distanz laufen (auch wenn es mal wieder nahe an 40°C hat) Der Canyon weist hier eine Tiefe von knapp 100 Metern auf.

Bull Canyon
Das Gestein ist hier allem Anschein besonders zur Ausbildung von Alkoven geeignet, man kann einige entdecken und die liegen oft hoch in den Wänden.

Blick zurück: Schatten findet der Mensch nur wenig.

Da vorne scheint Schluss zu sein und man kann etwas Schatten finden.

Arch für folgende Generationen?

Kaum erreichbarer Alkoven, aber Schatten kommt in greifbare Nähe!
Nur noch wenige Schritte ums Eck und eine neue Welt öffnet sich - eine in Rot!
Direktes Licht fällt zu dieser Tageszeit nicht in das Ende des Canyons. Alle Helligkeit wird von Sandsteinwänden reflektiert, taucht alles in mehr oder weniger orangerote Beleuchtung. Unwirklich!

Am Ende des Canyons durchbricht eine grosse Bogenöfnnung die Wand
Erst ein bestimmter Standort am Boden des Canyons offenbart - wir stehen am Fuss der Gemini Bridges!

Gemini Bridges von unten
Von hier kann man erst einmal nicht erkennen, dass es sich um zwei parallel verlaufende Bögen handelt. Man schaut zwar durch beide Öffnungen gleichzeitig, kann aber den Riss zwischen des Spans nicht wahrnehmen.
Erst wenn man den steilen Pfad heraufklettert, der nahe an die Felsstufe unterhalb der Öffnung führt wird man fündig. Es existiert eine recht kleine Stelle, die es erlaubt, Licht des Himmels zwischen den Brücken zu sehen. Nun aber verlieren die Bögen als solche an Grösse.

Nur von einem Punkt aus offenbart sich die Doppelnatur

Auch seitwärts gibt es interessante Features
Rückweg zum geparkten Fahrzeug. Im Schatten des Kessels unterhalb der Bridges waren die Temperaturen einigermassen erträglich, draussen in der direkten Sonneneinstrahlung ist es besonders heiss, weil die Felswände Hitze reflektieren. Wichtig, auch auf solch kurzen Trails Wasser mitzuführen.
Nachsatz: Wenn Sie irgendwo lesen, Bull Canyon würde praktisch an den Bridges enden - der Autor irrt.
© Rolf R. Safferthal 2009