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Bull Mining
Überall um Moab herum finden sich Relikte des Uran-Booms nach dem 2. Weltkrieg. Wer heute die Landschaft erkundet partizipiert immer noch von dieser Epoche. Viele der Trails entstanden damals als Exploration Trails, um überhaupt erst einmal an mögliche Lagerstätten heranzukommen. Wurde man fündig erfolgte ein Ausbau, wenn nicht blieben die Trails zumeist sich selbst überlassen.
Erosion setzt diesen Spuren überall zu. Die meisten haben heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr, werden somit auch nicht gepflegt. Das ist Reiz und Hindernis zugleich.
Gelegentlich führen solche Spuren in Gegenden, die nirgends so richtig beschrieben sind. Zu wenig reizvoll erscheinen Landschaft und Weg. Das triff zum Beispiel auf den Trail zu, die sich in einem namenlosen Seitenarm des Bull Canyons nach Westen zieht. Das Trailhead für die Gemini Bridges kann als inoffizieller Startpunkt gelten. Bis zu diesem Punkt kommen noch eine ganze Anzahl mit ihrem SUV oder ATV, nur die wenigsten dringen dann weiter in das Canyonsystem vor.
Wir hatten zuvor die Bridges besucht, freuen uns auf dem Rückweg, dass die Schatten an diesem heissen Tag länger wurden. Anfang August ist es lange hell, das Tageslicht wollten wir nutzen. Mal sehen, was diese Spur so zu bieten hat?

Der Rückweg von den Gemini Bridges zum Auto bietet nachmittags gegen 5 Uhr auch im August schon einigen Schatten.
Wie schon zuvor stellt sich der Trail streckenweise sandig dar, als wir nach Westen weiterfahren. Im Gegensatz zum Hauptcanyon sind die Wände dieses Arms stark mit Brüchen durchzogen, die den Fels in eine Reihe nebeneinander stehender Figuren - eine Art Fins - aufzulösen scheinen.

Namenloser Arm des Bull Canyons
Relativ schnell gestaltet sich der Trail anspruchsvoller. Gleichzeitig tauchen Anzeichen für Bergbautätigkeit auf - kleine Halden vor Probestollen, wo man das geförderte taube Material einfach in den Hang darunter kippte. Kleine, kaum noch zu erkennende Spuren führen vom Hauptweg weg, sind längst nicht mehr befahrbar.
Unser Trail führt höher in den Hang hinauf. Auf der Gegenseite tiefer unten sehen wir Stollen und Halden, der Weg zu ihnen kommt aber allem Anschein nach aus dem Wash herauf. Hier wo wir uns bewegen, scheint die Spur in Kürze in ein schwierig zu befahrendes Teilstück überzugehen. Was tun?
Wir erinnern uns an eine abzweigende Spur vielleich eine halbe Meile zurück, die möglicherweise hinunter in den Wash führt. Vielleicht wirds dort besser gehen? Also Wenden! Schnell ist die Gabelung erreicht, die Spur tatsächlich besser. Es geht bergab in Richtung des Washes. Oft kommt man ja in den trockenen Wasserläufen recht gut voran. Die Mine im Gegenhang liegt immer wieder im Blickfeld.
Irgendetwas läuft nicht wie geplant! Der Weg führt uns an der Mine vorbei, den Wash erreichen wir ebensowenig. Kartenmaterial hilft nicht weiter - am aktuellen Standort sind schon längst keine Trails mehr verzeichnet. Dann wird unsere Spur schlecht, sehr schlecht. Voraus hat die Erosion ein Stück des Weges nahezu völlig eliminiert. Er ist auf der Talseite stark angefressen. Hinter der mit SUV kaum zu passierenden Stelle geht der Weg zwar deutlich wahrnehmbar weiter - vielleicht wäre ja der erste doch besser gewesen? - aber das hilft uns nun nicht.
Umdrehen ist technisch nicht realisierbar - viel zu wenig Platz! Wieder einmal tauschen wir. Lady übernimmt das Steuer und ich die Verantwortung als Spotter. Eine bewährte Kombination, da meine Frau zentimetergenau fahren kann. Auch rückwärts, wie sie hier beweisen wird.

Die alte Mining Road befindet sich in sehr schlechtem Zustand.

100 m (?) rückwärts!
Wieder mal so eine Tour, die schlecht zu klassifizieren ist. Interessante Gesteinsformationen, hier vor allen Dingen die finnenartigen Strukturen. Und natürlich die Einsamkeit. Andere Besucher? Keine!
Jedenfalls finden wir eine Stelle zum Wenden. Nicht auf den ersten Blick, dann aber geht es doch. Mehrmals vor und zurück, dann stehen wir wieder in der Richtung, aus der wir kamen.

Im Bull Canyon - System

Towers

Fins und Alkoven. Der noch unvollendete Arch rechts mit dem markanten hellen Streifen unterhalb markiert den Zugang zu den Bridges.

Auf dieses gestreifte Cliff trifft man ebenfalls in der Nähes des Trailheads zu den Gemini Bridges.
Die Abzweigung zu den Bridges ist wieder erreicht, der restliche Weg eher Routine. Zweifel beschleichen uns aber hinsichtlich der local legend, dass die Gemini Bridges erstmals in 1957 von Lin Ottinger gesichtet worden seien, bevor sie nochmals für 11 Jahre in der Versenkung verschwanden. Die Miner der frühen Jahre dürften bestimmt das kurze Stück Canyon bis zu den Bridges auch erforscht haben. Nur stand ihnen der Sinn nicht nach derartigen Naturschönheiten. Es war wohl eher ein unwillkommenes Hindernis.
Bevor wir uns aber zurück nach Moab fahren wollen wir noch einem Hinweis nachgehen. Es soll da hinter einer Sandüne etwas geben - Surprise!
© Rolf R. Safferthal 2009